| Nov. 18th, 2009 @ 08:30 pm Krise vorbei? Nee! |
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'In der aktuellen medialen, politischen und wirtschaftswissenschaftlichen „Meinungsbildung“ soll die Weltwirtschaftskrise schon wieder gar keine mehr sein. Die Entwarnungsdiskurse haben Tageskonjunktur. Irgendwie möchte man glauben, dass alles binnen Jahresfrist der Vergangenheit angehören wird. Vielleicht war es halb so wild; vergessen die allgemeine Schreckstarre in den Monaten nach dem Lehman-Kollaps und den davon ausgelösten Schockwellen. Gleichzeitig muss zugegeben werden, dass das erhoffte neue Wachstum nach dem globalen Einbruch von einem wesentlich tieferen Niveau ausgeht; es würde viele Jahre dauern, bis das Akkumulationsniveau der Zeit vor der Krise wieder erreichbar wäre. Welche Konsequenzen das hat, wird kaum diskutiert. In dieser Situation ist es angebracht, auf die epistemische Grundlage für die „Meinungsbildung“ hinzuweisen. Sie besteht in einem positivistischen Denken, das nur unmittelbare Tatsachen wahrnimmt, die weder in ihrem weltgesellschaftlichen Zusammenhang noch in ihrem historischen Gewordensein erscheinen. Die Methode besteht in einer „Hochrechnung“ (Extrapolation) von empirischen Einzeldaten und demoskopischen „Stimmungen“. Diese Herangehensweise hat in der jüngsten Vergangenheit grandios versagt. Noch im Frühsommer 2008 wurde die vermeintlich boomende Weltkonjunktur berufsoptimistisch bis 2020 hochgerechnet. Der Kriseneinbruch kam scheinbar aus heiterem Himmel. Daraus kann man schließen, dass die positivistische Wahrnehmung und Methode nichts über die wirkliche Entwicklung aussagen kann. Das gilt auch für den aktuellen Entwarnungsdiskurs.'
-- Robert Kurz |